Tibet

Tibet, oft auch „Dach der Welt“ genannt, ist ein ausgedehntes Hochland in Zentralasien. Abgeschieden durch das Himalaya-Gebirge hat Tibet eine einzigartige Kultur und schon vor dem 7. Jahrhundert auch eigenständige Staaten herausgebildet.

Tibet ist reich an Traditionen und Kontrasten. Während viele Tibeter noch leben wie ihre Vorfahren, unterscheiden sich junge Städter kaum von ihren Altersgenossen überall auf der Welt. Die 1000 Jahre alte spirituelle und friedliebende tibetische Kultur ist untrennbar mit dem Tibetischen Buddhismus verbunden. Der Glaube an die Reinkarnation und die Rolle der Lamas sind tief im Tibetischen Buddhismus verankert.

Tibet besaß bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein eigenes Staatswesen, in dem der Dalai Lama geistliches und weltliches Oberhaupt zugleich war. 1950 marschierte China mit 40.000 Soldaten in Tibet ein. Um eine völlige Zerstörung des militärisch unterlegenen Tibet zu verhindern, unterzeichnete der Dalai Lama 1951 das sogenannte 17-Punkte-Abkommen. Darin verpflichtete sich China, nicht in das bestehende Regierungs- und Gesellschaftssystem Tibets einzugreifen. Aber in Ost-Tibet hielt es sich nie an dieses Versprechen und 1959 brach es den Vertrag im gesamten Tibet. Dies führte zum Tibetaufstand, während dessen der Dalai Lama aus Tibet flüchten musste.

Die Vergeltungsmaßnahmen für den Aufstand kosteten mindestens 87.000 Tibeter das Leben. In den folgenden Jahrzehnten starben Hundertausende Tibeter in Gefängnissen und Arbeitslagern und auch heute noch wird jeder Widerstand brutal unterbunden. Die Ausübung der Religion wurde bis 1979 gänzlich gewaltsam unterdrückt und wird immer noch massiv behindert. Chinesisch hat den Platz von Tibetisch als offizielle Sprache eingenommen. Bildungseinrichtungen vermitteln ein völlig entstelltes Geschichtsbild, in dem auf ein unabhängiges Tibet kein Bezug genommen wird. Zudem fördert China eine massive Migration von Chinesen nach Tibet, so dass in einigen Regionen Tibeter bereits eine Minderheit im eigenen Land darstellen. So arbeitet China gezielt auf die Auslöschung der einzigartigen tibetischen Kultur hin.

Die gegenwärtige Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China ist völkerrechtlich umstritten. Doch gibt es derzeit keinen Staat bzw. keine internationale Organisation, der bzw. die sich auf diplomatischer oder politischer Ebene aktiv für Veränderungen einsetzt. Seit 1959 besteht eine Tibetische Exilregierung, die international nicht anerkannt ist, aber von vielen Ländern unterstützt wird.

2012 bezeichnete Senator Robert Menendez, Chair of US Senate Committee on Foreign Relations das heutige Tibet als  „ … one of the most repressed and closed societies in the world.“ Der US Think Tank Freedom House stufte Tibet 2014 in die „Top 12“ Länder der Welt ein, in denen politische Rechte und Bürgerrechte am schlimmsten unterdrückt werden.

Das unermüdliche Engagement und die große Popularität des Dalai Lama haben Unschätzbares dazu beigetragen, immer wieder Aufmerksamkeit auf die Mißstände in Tibet zu lenken und auch der tibetischen Kultur ein Exil zu bieten. Deshalb ist es so wichtig, den Dalai Lama immer wieder offiziell zu empfangen und damit auch gegenüber China ein Zeichen zu setzen, dass Tibet nicht vergessen ist.

 
Fotos: York Hovest, München